verstellbarer Makrotisch

Ich hatte kürzlich das Glück, ein altes Balgengerät (zur Reproduktion von Dias) von meinem Vater zu bekommen. Das gute Stück hat wer-weiß-schon-wieviele Jahre auf dem Buckel, funktioniert jedoch noch einwandfrei.
Dieser Makrotisch ist primär für kleine und mobile Gegenstände gedacht. Insekten lassen sich freilich nur schwer dazu bringen, für die Dauer der Aufnahme stillzuhalten.

(Notiz an mich: nächstes Mal vor dem Fotografieren ordentlich saubermachen)

An den hinteren Teil des Balgens flanscht man die Kamera, zwischen Balgen und Diaeinsatz wird ein entsprechendes Objektiv befestigt und das Dia bzw. der Rollfilm wird am linken Ende in die entsprechende Vorrichtung eingelegt. Soweit die Funktion in aller Kürze und ohne die Probleme der passenden Brennweiten, Zwischenringe und Abbildungsleistung. Das geht heute in der Regel besser und einfacher.

Ich habe mir mit wenigen Mitteln aus diesem guten Stück einen kleinen, verstellbaren Makrotisch gebastelt. Der Gedanke war, zum Scharfstellen des Motivs nicht ständig am Fokus des (manuellen) Objektivs herumfummeln zu müssen, da die Erschütterungen im LiveView mit 6 bis 10-facher Vergrößerung kaum noch auszuhalten sind. Vielleicht liegt es auch an meinem Stativ – auf jeden Fall ist das bei Brennweiten >300mm keine angenehme Sache.

Jetzt stelle ich den Fokus grob ein und beeinflusse die Fokusebene einzig durch die Stellschraube am Balgen. Hier ist eine sehr langsame und zehntelmillimetergenaue Einstellung möglich. Auslösen muss man dann nur noch per Fernbedienung, um am Ende nicht doch noch an der Kamera herumzuwackeln.

Hier einige der Sachen, die ich für den Tisch gebraucht habe:

Eine Bodenplatte aus 15mm Sperrholz (stabil und verformt sich nicht so schnell) – hier bereits gebohrt/gesenkt und mir Gummifüßchen versehen. Das verhindert ein Verrutschen auf glatten Oberflächen und sorgt für einen ruhigeren Stand. Dazu benötigte ich noch die Rückenplatte, 2 kleine Winkel, Unterlegscheiben und 2 Schrauben.

Das letzte Wort ist nicht zufällig hervorgehoben, denn 1/4″-Schrauben scheinen in unseren Breitengraden nicht nur selten zu sein, sondern besitzen auch die Eigenschaft, Verkäufern einen fragend-verwirrten Ausdruck ins Gesicht zu zaubern – bei bloßer Nennung der Gewindegröße. Kein Baumarkt unserer Region, noch ein großes, ansässiges Schraubenfachgeschäft, führt diese Schrauben! Nur erstaunte Gesichter.

Meine Rettung: ein Harley Davidson Händler in der Nachbarstadt. Offenbar finden diese Schrauben an solchen Motorrädern noch Verwendung, daher beim nächsten Mal: gleich zu solch einem Laden fahren.

Ferner ließ ich mir im Baumarkt noch eine Platte für den eigentlichen Tisch (quasi “Objektträger”) sägen.

Auf diesen habe ich eine kleine Holzleiste (umsonst aus der Sägerestekiste des Baumarktes, danke nochmals) geklebt, zuvor kleine Nägel in eben diese eingeschlagen und (extra!) mit der Zange etwas krummgebogen.

Im nächsten Schritt habe ich die Bodenplatte mit der Rückwand verschraubt. Die kleinen Winkel (und noch kleineren Schrauben) sind nur bis zu einem gewissen Grad belastbar, aber zum späteren Tragen reicht es allemal.

Anschließend habe ich den Dia-Balgen mit der Platte verschraubt. Die Unterlegscheiben brauchte ich um die Länge der Schrauben auszugleichen. Wenn man vor der Wahl steht, umständlich Schrauben um 4mm kürzen zu müssen oder Unterlegscheiben zu nehmen … naja. Das Verletzungsrisiko bei den Unterlegscheiben ist ja auch geringer.

Die Platte für den Tisch kann man mit doppelseitigem Klebeband, Klettband, Heißkleber oder Silikon befestigen. Was eben gerade da ist -und- wie dauerhaft diese Verbindung sein soll. Halten sollte alles, schließlich platziert man das Motiv in der Regel ja sowieso mittig auf dem Tisch, so dass er nicht plötzlich aufgrund eines sich lösenden Klebebands zur Seite wegkippt.

Jetzt ist der Tisch im Grunde schon fertig. Was fehlt, ist ein passender Hintergrund.

Ich habe mich für eine Hohlkehle entschieden, da das Material hierfür immer zur Hand ist (DIN A4-Papier), sich schnell und einfach tauschen lässt und in vielen Variationen verfügbar ist.
Man kann genauso dünneren, farbigen Bastelkarton oder auch Moosgummi nehmen, welches Lichtreflexe besser schluckt. Das (in diesem Beispiel benutzte) Papier wird unter die beiden Nägel geschoben, so dass es nicht nach vorne herausrutschen kann.

Am oberen Ende ist das Papier nicht fixiert, damit es beim Verstellen des Tisches “mitwandern” kann. Stellt man den Tisch nah in Richtung der Rückwand, schiebt sich das Papier nach oben hin weg. Fährt man den Tisch weiter weg, zieht es sich entsprechend zurück.

Abgesehen vom Balgengerät, welches man in der Bucht oder auf Flohmärkten mit etwas Glück günstig erstehen kann, belaufen sich die Kosten für das Holz, die Schrauben und die Winkel auf etwa €5,00. Ich habe bei dieser Bastelanleitung bewusst keine Maße angegeben, da diese in erster Linie vom Balgengerät abhängen.